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Martín
I. Bidartondo (1)*, Dirk
Redecker (2)*, Isabelle
Hijri (2),
Andres
Wiemken (2) , Thomas
D. Bruns (1), Laura Domínguez (3), Alicia Sérsic
(3),
Jonathan
R. Leake (4) & David
J. Read (4)
Nature 419, 389-392 (2002)
(1) Department of Plant & Microbial Biology, University
of California, Berkeley, California 94720-3102, USA
(2) Institute of Botany, University of Basel, Hebelstrasse 1,
4056 Basel, Switzerland
(3) Instituto
Multidisciplinario de Biologia Vegetal, C.C. 495, Cordoba
5000, Argentina
(4) Department of Animal & Plant Sciences, University of
Sheffield, Sheffield S10 2TN, UK
* These authors contributed equally to this work
Hintergrund:
Pflanzen zeichnen sich normalerweise dadurch aus, dass sie
durch Photosynthese Kohlenhydrate (Stärke, Zucker etc.)
aus dem Kohlendioxid der Luft herstellen (autotrophe Lebensweise).
Dadurch stehen sie am Anfang der Nahrungskette. Andere Organismen
mit heterotropher Lebensweise (Menschen, Tiere, Pilze,
viele Bakterien) benötigen diese Kohlenhydrate zum Leben,
da sie sie nicht selbst aus Kohlendioxid herstellen können.
Es ist schon lange bekannt, dass bestimmte Pflanzen ganz oder
teilweise von der autotrophen "selbstständigen"
Lebensweise abgekommen sind, und zu Parasiten wurden. Dies äussert
sich darin, dass diese Pflanzen kein Blattgrün (Chlorophyll)
mehr bilden. Einige bilden spezielle Saugorgane aus, mit denen
sie andere, grüne Pflanzen anzapfen, wie z. B. die Sommerwurz
(Orobanche).
Einige nicht-grüne Pflanzen besitzen aber keine solch offensichtlichen
Organe, um direkt auf ihren grünen Nachbarn zu schmarotzen.
Bei diesen wurde gezeigt, dass sie Pilze ausnutzen, die mit grünen
Pflanzen in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose)
stehen, die man als Mycorrhiza (="Pilz-Wurzel")
bezeichnet. In der Mycorrhiza lässt die Pflanze ihre Wurzeln
von Pilzen besiedeln, versorgt diese mit Zucker und lässt
sich dafür vom Pilz mit Mineralsalzen aus dem Boden beliefern.
Mycorrhiza ist also normalerweise für beide Partner von
Vorteil, dementsprechend sind solche Symbiosen in vielen Varianten
weit verbreitet. Einige nicht-grüne pflanzliche Schmarotzer
beherbergen in ihren Wurzeln symbiontische Pilze, die in Verbindung
mit benachbarten grünen Pflanzen stehen. Ueber die Pilze
beziehen sie Kohlenhydrate von den grünen Pflanzen. Sie
sind also indirekte Parasiten (Epiparasiten) auf diesen grünen
Pflanzen, indem sie dem Pilz vortäuschen, eine Mycorrhiza-Lebensgemeinschaft
mit ihm einzugehen. Dieses Phänomen nennt man Myco-Heterotrophie.
Die bekanntesten Vertreter der myco-heterotrophen Lebensweise
sind einige Orchideen,
die kein Blattgrün besitzen sowie die Familie der Monotropaceen
(Fichtenspargel-Gewächse). Diese Pflanzen beziehen
ihre Kohlenhydrate aus der Lebensgemeinschaft zwischen Bäumen
und Pilzen, deren bekannteste Vertreter für ihre Fruchtkörper
bekannt sind, z. B. Fliegenpilz und Steinpilz. Diese Gemeinschaft
bezeichnet man als Ekto-Mycorrhiza.
In vielfältiger Hinsicht verschieden von der Ekto-Mycorrhiza
und viel weiter verbreitet ist aber die Arbuskuläre Mycorrhiza.
Diese Gemeinschaft wird von einer grossen Mehrheit aller Pflanzen
gebildet. Die pilzlichen Partner dabei sind relativ unspektakuläre
Bodenpilze (Glomeromycota), die zwar charakteristische Sporen,
aber keine grossen Fruchtkörper bilden. Es wurde zwar vermutet,
dass es auch in dieser Lebensgemeinschaft Pflanzen gibt, die
über pilzliche Symbionten ihre grünen Nachbarn anzapfen,
der endgültige Beweis stand aber noch aus.
Bislang gibt es keine Beweise für wirkliche Wirts-Spezifität
in der Arbuskulären Mycorrhiza. Das heisst, prinzipiell
sollte jede Pilz-Art mit jeder Pflanze eine Gemeinschaft eingehen
können.
Was ist neu und bemerkenswert in dieser Studie?
Die Wurzeln von nicht-grünen Pflanzen aus drei Gattungen
wurden untersucht: a) Arachnitis, b) Voyria
und Voyriella. Sie kommen aus zwei sehr unterschiedlichen
Lebensräumen: a) Wald der gemässigte Breiten in Argentinien
und b) tropischer Regenwald in Guyana. Die Pflanzen stammen aus
zwei Familien, die nicht nah miteinander verwandt sind: a) Corsiaceae:
Orchideen- oder Lilien-Verwandte aus den Einkeimblättlern,
b) Enziangewächse aus den Zweikeimblättlern. Um die
Pilze innerhalb der Wurzeln zu identifizieren, wurden charakteristische
Gene der Pilze benutzt. Dabei werden diese Gene zuerst im Reagenzglas
vervielfältigt (Polymerase-Kettenreaktion) und dann stammesgeschichtlich
ausgewertet.
-In den Wurzeln beider Pflanzenfamilien wurden Pilze identifiziert,
die in die Gruppe der Arbuskulären Mycorrhizapilze (AM-Pilze)
gehören.
-Die Wurzeln von Arachnitis uniflora enthielten immer
nur eine Art von Arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen, obwohl
die verschiedenen untersuchten Pflanzenstandorte bis zu 70 km
auseinanderlagen. Die Wurzeln benachbarter grüner Pflanzen
enhielten ebenfalls diese Art, sowie einige zusätzliche
Arten.
-Wurzeln von Voyriella parviflora enhielten ebenfalls
nur einen AM-Pilz. Die untersuchten Arten von Voyria enthielten
hauptsächlich AM-Pilze einer Verwandtschaftsgruppe, aber
auch andere. Interessanterweise enthielten Voyria und
Voyriella nie dieselben Symbionten, auch wenn sie am selben
Standort vorkamen.
Dies bedeutet:
-dass sich offensichtlich auch die weit verbreiteten AM-Pilze
von manchen Pflanzen um Kohlenhydrate betrügen lassen. Das
deutet darauf hin, dass Kohlenhydrate in dieser Lebensgemeinschaft
in beiden Richtungen ausgetauscht werden können, dass also
keine Einbahnstrasse von der Pflanze zum Pilz existiert.
-dass es auch in der arbuskulären Mycorrhiza sehr starke
Wirtsspezifität geben kann und sich die Pflanzen offensichtlich
auf bestimmte Pilze spezialisieren
-Für AM-Pilze wurde bereits vorher gezeigt, dass sie einen
Einfluss auf die Zusammensetzung von Pflanzen-Gesellschaften
haben können. Als mögliche Wirkungsmechanismen dafür
kommen in Zukunft sowohl Wirts-Spezifität als auch der Kohlenhydrattransport
zwischen den Pflanzen in Frage.
(DR 25.9.02)
Offensichtlich lassen sich manche Pilze einfacher
ausbeuten als andere. Eine interessante Frage ist, was ihnen
eigentlich vorgegaukelt wird.
(©D. Redecker 2002)
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